W108/9-LACKIERUNGEN
 

Anmerkungen zu “Lackierungen”

 

Das Thema “Lackierungen” unterscheide ich hier nicht entsprechend den Preislisten (Serien-, Sonder- und Metallic), sondern nach Uni- und Metallic-Lack, Zweiton sowie individueller Farbwahl eines 108-Besitzers. Dazu noch ein paar ausgewählte Lackierungen anderer Mercedes-Benz-Baureihen sowie auch Schrilles unter “Sonstiges”.

Bei den Lackierungen ist zu beachten, daß es ausgeblichene Lacke oder Neulackierungen geben kann, die leicht einmal vom ursprünglichen Farbton ab Werk abweichen können. Seit kurzem ist mir bekannt, daß selbst Farben mit einheitlichem Code je nach chemischer Zusammensetzung der Mischfarben unterschiedlicher Hersteller voneinander abweichen können. Die Spies&Hecker-Farbkarten führen teilweise pro Code mehr als ein Lackmuster auf!

Auch lassen sich auf Digitalfotos selten feinste Farbnuancen voneinander sichtbar trennen - wer beispielsweise Papyrusweiß nur minimal überbelichtet, kann diese nicht mehr vom normalen Weiß unterscheiden, welches im übrigen kein Papierweiß, sondern ein “Hell-Hell”-Elfenbein ist. Beispiele siehe unten-

Die Lackierung ab Werk findet sich unter der Haube, auf dem Typenschild mit der Fahrgestellnummer. Bei einer Zweifarblackierung sind auch tatsächlich zwei Codes eingetragen, die erste für UT (Unterteil) und die zweite für das Oberteil (OT). Mit “G” (Glasurit) und “H” (Herberts) werden die Hersteller der Lacke unterschieden. Hier ein paar Beispiele:

Hinweis für Benutzer des Internet Explorers: Man kann die Bilder der Lackierungen in schneller Folge anzeigen lassen und damit besser vergleichen. Dazu die gewünschten Lackbilder auswählen (draufklicken), und anschließend das neu eröffnete Bildfenster n-i-c-h-t wieder schließen. Jedes Bild fertig laden lassen. Danach aktiviert man das Bildfenster (einfacher Klick auf die Titelleiste)  und wechselt mit den Tastenkombinationen ALT + CURSOR_LINKS sowie ALT + CURSOR_RECHTS schnell zwischen den zuvor aufgerufenen Fotos.

 

Wiedergabe der Helligkeit und der Lackfarbe

Der Bereich Lackierungen wird natürlich kontinuierlich ausgebaut, bessere Fotos werden die weniger guten ersetzen. Mit welchen Schwierigkeiten man in der Praxis zu kämpfen hat, will ich mal an dieser Stelle zeigen. Obwohl heute “natürlich” die Digitalfotografie eine sofortige Kontrolle des gemachten Bildes ermöglicht, ist die Wiedergabe der Lacke trotzdem in den meisten Fällen “nicht natürlich”, auf Anhieb schon gar nicht.

Hier im Beispiel eine Überbelichtung der Belichtungsautomatik der Kamera, die feinste Farbunterschiede praktisch beseitigt:

Weiß, Papyrusweiß, Aquablau - was ist hier zu sehen? Nun zweimal dasselbe Fahrzeug, einmal bei bedecktem Himmel (weiße Wolken spiegeln sich im Lack) und ein anderes Mal bei Sonnenschein von der Seite (direkt beschienene Stellen überbelichtet, Dach und Motorhaube vom Himmel “verblaut”):

Der Unterschied zwischen Sonnenschein und Bewölkung kann auch so aussehen (am Beispiel Dunkelblau 332):

Auch eine nur leichte Über- bzw. Unterbelichtung, also nicht wie das erste Beispielfoto oben, ändert die Wirkung. Bei späterer Betrachtung ist dann kaum noch zu sagen, wie der urspüngliche Eindruck war:

Hier im Bild die Lackierung Piniengrün, selbstverständlich dasselbe Auto; es wurde aber der Standpunkt und damit die Richtung des Lichts geändert:

Die besten Ergebnisse gibt es nach meiner Erfahrung, wenn man bei sanftem Sonnenschein fotografiert. Wird es zeitlich zu spät, ändert sich die Farbtemperatur zu weit in Richtung “warm”, also (Abend-)Rot. Der größte Anteil des Autos sollte vom Licht beschienen sein, der kleinere darf im Schatten liegen. Außerdem sollte man darauf achten, was sich ggf. im Lack spiegeln könnte. An Dinge wie Himmelsblau auf der Schattenseite (Pfeil oben rechts), oder Rasengrün (Pfeil unten rechts), wenn das Auto auf einer Wiese geparkt ist, denkt man selten:

Solche Vorlagen lassen sich auch digital nicht mehr ausgleichen. Der Versuch, einen Farbstich herauszufiltern wird deshalb scheitern, weil immer das gesamt Bild auf die gleiche Art verändert wird.

In vielen Fällen sind auch die Fahrzeuge selbst nicht wirklich geeignet, wenn bspw. oberflächlicher Schmutz/Staub oder eine fehlende Politur Streulicht auf der Lackschicht erzeugt. Die eigentliche Farbe wirkt dann heller und weniger intensiv, also mit geringerer Farbsättigung:

Das ganze nochmal in Blau 903:

Wer nun meint, mit dem in der Fotografie sonst üblichen Polfilter viele Fehler zu vermeiden, der irrt. Denn aus meiner bisherigen Erfahrung erzeugt ein zu starker Einsatz (durch Drehen verändert man die Wirkung des Filters) eine unnatürliche Wiedergabe:

Absicht im zweiten Bild war es eigentlich, die Spiegelung des Himmels mit den vielen Wolken zu reduzieren. Das Ergebnis kann aber trotzdem nicht zufriedenstellen, weil das abgebildete Fahrzeug niemals auf genau diese Weise vom Auge wahrgenommen würde. Zum Schluß nochmal zwei “Case-Studies” - Beige-Metallic:

Durch bedeckten Himmel zu “blau”, also falsche Farbtemperatur. Danach mal, zum Test, angeblitzt:

Da hier das Licht direkt von vorn kommt, wird “ein Auge” das Fahrzeug niemals genau so sehen. Hinzu kommt, daß die meisten Digitalkameras beim Umschalten auf Blitzbetrieb von sich aus die Farbe anpassen; Blitzaufnahmen sind nämlich sonst zu blau, deswegen wird ein Warmton darübergelegt, hier im Vergleich sehr gut zu sehen. Beige-Metallic im Abendlicht:

Immer noch “zu gold” - so sieht der Lack in Wirklichkeit nicht aus. Nächste Fallstudie in Tabakbraun. Gegenlicht:

Bedeckter, wolkiger Himmel, leicht unterbelichtet:

Streulicht auf der Lackoberfläche, angeblitzt/aufgehellt, kein Sonnenschein:

Im Gegenlicht, d.h. mit wenig von der Sonne beschienenen Fläche, mit Polfilter.

Das letzte Bild nun zeigt “Tabakbraun” im Sonnenschein bei gepflegtem Lack:

 

Als letzter Hinweis sei der Umstand genannt, daß man mit Digitalkameras hinsichtlich korrekter Farbwiedergabe nicht vom Prinzip “Shoot-and-forget” ausgehen sollte, soll heißen erst mal das Bild machen, egal wie, und später am Rechner wird es auskorrigiert. Nach meiner Erfahrung ist dies nicht möglich, man sollte immer möglichst wenig Störgrößen bei der Aufnahme zulassen. Wer hinterher zuviel korrigieren muß, wird nie die ehemalige Farbe gewinnen können. Die Bilder im letzten Beispiel wird man niemals auf den gleichen Stand bekommen.

 

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