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DER URVATER ALLER S-KLASSEN
Mercedes-Benz W108 / W109 (1965-1972)
Zeitgeschehen
When I'm drivin' in my car Nein, das wohl wird keiner der W108-Erstbesitzer in seinem Auto zu Ende gehört haben - eher "Marmor, Stein und Eisen bricht" von Drafi Deutscher. Geboren werden 1965 Julia Ormond, Stephanie von Monaco (deren Vater sich einen 6.3 zulegen wird), Sarah Jessica Parker (Sex and the City) und Joanne Rowling (Harry Potter), aber bis man von all' diesen etwas sieht, liest oder hört, werden noch Jahrzehnte vergehen. Im Jahr der Präsentation der neuen Limousinen aus dem Hause Mercedes-Benz fährt in Deutschland zum ersten Mal ein Schnellzug fahrplan- und somit regelmäßig 200km/h, und am 16. September 1965 wird endlich die 42. IAA eröffnet. Moment mal, 42 ...? *6
Automobilmarkt der 60erDie junge Bundesrepublik ist in der PKW-Produktion bereits 1956 die Nr. 1 auf dem Kontinent. Trotz des anhaltenden Wachstums bewertet die Automobil Revue die Sechziger im Rückblick als ein Jahrzehnt, in dem zwischen den Herstellern ein intensiver Wettbewerb tobt, weit mehr als zuvor. Die Anforderungen des Marktes waren immer ernster zu nehmen, der Erfolg von Fahrzeugen mit einer Vielzahl Neuerungen war schwierig vorauszusehen. Der Ro 80, 1967 präsentiert, fand in zehn Jahren nur 37.000 Käufer. NSU, bis dato reiner Motorrad- und Kleinwagenhersteller, spielte diesen mit Der britische Inlandsmarkt stagniert ab 1965 langanhaltend, entgegen den Entwicklungen in allen anderen Ländern Europas, und wird den Startpunkt für den Niedergang der englischen Automobilindustrie markieren. Deutschland spürt 1967 erstmalig eine Rezession, es werden statt 2.8 Millionen Autos wie 12 Monate zuvor nur 2.3 Millionen verkauft. Die 60er sind ein Jahrzehnt der Fusionen, Konzentrationen und der Auslese: Von 20 europäischen Herstellern 1960 blieben zehn Jahre später 8 unabhängige übrig. Ein Aspekt soll auch noch berücksichtigt werden: Die Diskussion darüber, welche Sicherheitsstandards die Automobile heute und morgen erfüllen sollen, hat ihre Wurzeln in dieser Dekade. 1963 schon waren Sicherheitsgurte das Schwerpunktthema auf einer Verkehrskonferenz in den USA, aber die flächendeckend und länderübergreifend meiste Beachtung fand die Publikation "Unsafe at any speed" von Ralph Nader, der die unbefriedigenden Fahreigenschaften des Chevrolet Corvair zum Anlaß nahm, auf Mängel und Nachholbedarf in dieser Disziplin hinzuweisen.
Entwicklungsschritte zum W108Die Epoche des Ponton dauert bei Mercedes bis 1962, die Stuttgarter starten in das neue Jahrzehnt mit den nach amerikanischem Geschmack ausgerichteten Heckflossenmodellen. Seit 1959 im Programm, stellt das Angebot Leistungswünsche im Bereich von 55 bis 170 PS zufrieden - doch haben die Kunden beim Blechkleid keine Wahl: Dieses gibt es nur mit "Flossen", im Marketing-Jargon Peilstege genannt. In Amerika verschwinden sie fast schneller als sie kamen, und auch Mercedes reagiert umgehend: Die 1961 vorgestellten Coupes und Cabrios erinnern mit ihrer abgesenkten Gürtellinie sowie dem völlig neu gestaltetem Heck und Dachaufbau nur noch im Kühlergesicht an "die Flosse". Man hatte für diese und, wie sich herausstellen wird, alle nachfolgenden Modelle eine Formensprache gefunden, die als Basis die sachliche, italienische Trapezlinie nutzte, aber gleichzeitig die Traditionen des Hauses Mercedes nicht aus den Augen verlor. Die Autos wurden merklich niedriger, etwas länger und breiter, und machten insgesamt durch die gestreckte Erscheinung einen sportlichen Eindruck.
Schrittweise Formentwicklung für W108 - im Bild die wesentlichen Elemente: 1. Den Heckflossen-Body kombinierte man mit W111 Coupe-Dach und -Gepäckabteil.2. Danach probierte man ein kantiges Dach ähnlich 600, jedoch mit zwei statt drei Seitenfenstern. 3. Der vorletzte Prototyp besaß zwar die kommenden Proportionen der W108, aber ein Heckfenster wie Pagoden-SL. Dieses entfiel anschließend wieder bei der Serienversion. Über drei Schritte gelangte man zur neuen Limousinenform der W108/109: Der erste Versuch basierte - natürlich - auf der Heckflosse mit ihrer höheren Gürtellinie des Karosserie-"Bodies". Daran setzte man das Heck und den Dachabschluß mit runder, weicher C-Säule vom W111-Coupe. Etwas später in 1962 entstand ein ähnliches Modell, diesmal aber mit kantiger C-Säule. Ein Jahr darauf folgten zwei weitere Entwürfe, die beide schon die wesentlichen Proportionen der kommenden Limousine, mit niedriger Gürtellinie und flacher Silhouette, besaßen; der frühere mit W111-Coupe-Heckleuchten und einer Heckscheibe, die in rückwärtiger Ansicht derjenigen der Pagode gleicht. Der letzte Versuch dann entsprach praktisch der Serie. Die Prototypen besaßen fast allesamt das Typkennzeichen 220SE am Heck, doch wird die kleinste Maschine im offiziellen Programm mindestens 2.5 Liter Hubraum besitzen. Auf der IAA 1965 präsentierte Daimler-Benz zwei 250S und zwei 250SE, je einmal Schaltgetriebe und Automatik, sowie einen 300SEb mit Automatik.
Der Wechsel von 111/112 auf 108/109
Modellpolitik Karosserie Fahrwerk Bremsen Motor Kraftübertragung Ausstattung
Unterschiede 108 / 109Die 108er besitzen Stahlfederung mit serienmäßigem hydropneumatischen Federelement an der Hinterachse für Niveauausgleich und einen Stabilisator an der Vorderachse. Die 109er sind gegenüber 108 10 Zentimeter verlängert, was im Innenraum ausschließlich für den Fußraum im Fond genutzt wird. Sie besitzen Luftfederung, die gleiches Fahrverhalten beinahe unter allen Bedingungen gewährt; die Federung erfolgt im Gegensatz zur Stahlausführung progressiv. Darüber hinaus befindet sich an der Hinterachse eine Bremsnickabstützung (je ein Hebel zwischen Karosserieboden und linkem/rechtem Tragrohr der Pendelachse) sowie an beiden Achsen je ein Stabilisator. Der 109 liegt drei Zentimeter tiefer als ein W108 (6.3: zwei Zentimeter). Die Innenausstattung unterscheidet sich durch serienmäßige Zugaben von Servolenkung, vier elektrischen Fensterhebern, Zentralverriegelung, Armlehnen vorn und Gepäcknetzen an den Rücklehnen der Vordersitzen. Darüber hinaus finden sich feine Details wie Chromzierleisten an den Kartentaschen der Vordertüren und einiges andere. Äußerlich ist die Karosserie durch Chrom an der A-Säule und den Fensterrahmen aufgewertet - mehr oder minder.
Oben ein SE, darunter ein W108 in der langen Ausführung: 280 SEL 4.5. Unten ein W109, dessen Fensterchrom Ab Januar 68 gibt es auch eine um zehn Zentimeter verlängerte 108er Karosse im Angebot, doch ohne jegliche Änderung in Technik oder Ausstattung. Die Türen der 108er Langfassung unterscheiden sich von denen der 109er in den Befestigungsarten der Chromleisten an den Fensterrahmen. Das "L" in der Typenbezeichnung steht bei Mercedes bis August 1969 für "Luft", danach für "Lang". Ab der Modellreihe W116 bekommen die längeren Ausführungen außerdem die Kennzeichnung “V” statt “W” in der Baureihenbezeichnung, also offiziell heißt es dann V116 E35 für den 350 SEL.
Die Modelle in der KurzübersichtAllgemein gilt, daß die frühen Modelle, also vor Januar 68, heute einige Nachteile in der Ersatzteilversorgung haben. Im Einzelnen geben darüber die Ersatzteilkataloge des VdH Auskunft; eine ausführlichere Übersicht als diese existiert nicht. Bei den Katalogen wird immer zwischen Modellreihe/Karosse einerseits sowie den Motoren andererseits unterschieden. Stand November 2005 liegen welche zu den Karosserievarianten W108, W108 lang und W109 vor, aber bisher nur einer zu Motoren der "Alten S-Klasse"; es ist der zum M130 (280S/SE). Die frühen Modelle besitzen aber, sofern original erhalten, einen besonderen Reiz und zeigen mehr verspielten Charme der Sechziger als die späteren, modellgepflegten. Eine größere Zahl von reinen Fakten inklusive Bauzeiten und Stückzahlen findet ihr im Abschnitt "Technische Details". 250 S (IAA Frankfurt September 1965) 250 SE (IAA Frankfurt September 1965) 300 SEb (IAA Frankfurt September 1965) 300 SEL (IAA Frankfurt September 1965) 280 S (Stadthalle Sindelfingen Januar 1968) 280 SE (Stadthalle Sindelfingen Januar 1968) 280 SEL (Stadthalle Sindelfingen Januar 1968) 280 SE/SEL 3.5 (Amsterdamer Automobilsalon Frühjahr 1971) 280 SE/SEL 4.5 (Mai 1971 / Juli 1971 Indianapolis) 300 SEL/8 (Stadthalle Sindelfingen Januar 1968) 300 SEL 3.5 (IAA Frankfurt September 1969) 300 SEL 4.5 (Mai 1971 / Juli 1971 Indianapolis) 300 SEL 6.3 (Automobilsalon Genf März 1968) Produktionszeiträume in der Übersicht
Sondermodelle ab Werk
Serien-Ausstattung für den US-MarktDie Serienausstattung für Fahrzeuge des US-Marktes (inkl. Kanada) unterscheidet sich bei späteren Modellen (aber noch nicht bei frühen bis mindestens 1968!) erheblich von der für europäische Varianten. Sie teilt sich in zwei Bereiche: Die speziellen Ausstattungsmerkmale als US-Exportmodell (Kopfstützen vorn, Seitenreflektoren, US-Instrumente, Sicherheitsfrontscheibe, Sicherheitsgurte auf allen Plätzen, vergrößerter Wärmetauscher) sowie die “normalen” Extras. Selbst ein 280 SE besaß:
Der 280 SE 4.5 erhielt zusätzlich
Der 280 SEL 4.5 bekam dann noch:
Beim 300 SEL 4.5 kann man eigentlich schon von Vollausstattung sprechen, er hatte außerdem aufpreisfrei an Bord:
Dies bedeutet nun aber nicht, daß die Fahrzeuge unter dem Strich auf der Rechnung günstiger angeboten wurden als in In den US-Prospekten setzte Mercedes-Benz die eigenen Fahrzeuge mit dem Kennzeichen “S” in die Luxusklasse, und definierte diese wie folgt: “The Mercedes-Benz 280SE defines luxury in a complete different way. It was designed to hold an unwavering course an a German Autobahn, where speeds of 120 miles are not uncommn. [..] Designed to give you the luxury of control. Control that erases the tensions that build over long drives in a car whose responses are less sure. The 280SE is blessed with fully independent suspension. [..] It refuses to be unsettled by dips or bumps. [..] But roadholding alone isn’t enough to satisfy our concept of luxury. So we designed the interior for extended stays, not merely showroom demonstrations. [..] It all adds up to a very different, very satisfying concept of luxury.” Der 600 erhielt dafür den Titel “The ultimate motor car”. Die Klasseneinteilung wurde aber grundsätzlich anders geregelt: Man gliederte die verfügbaren Modelle nach Achtzylinder, Sechszylinder und Vierzylinder. Die V8 (besonders den 4.5-Liter M117) in den W108 und W109 bezeichnete man als “Option”, ausgehend vom 280SE als Basismodell. In heutigen US-amerikanischen Verkaufsanzeigen findet sich regelmäßig wiederkehrend der Hinweis, die S-Klassen der Typen W108 und W109 wären die letzten von Hand gefertigten Modelle gewesen, was in Europa gern als überzogene Stammtischweisheit bewertet wird. Nun, Dichtung oder Wahrheit? Die Sterntwiete weiß es: Daimler-Benz selbst formulierte in US-Anzeigen damals tatsächlich den Satz “The elegant 300 SEL Sedan [W109] ... is still virtually handassembled.”
Serienausstattung für die Insel - UK SpecificationNicht nur für den amerikanischen Markt, sondern auch für die Briten änderte man teilweise die Serienausstattung; als Grund nannte man das Vorhandensein der noblen Konkurrenz des Eilandes. Bei den späten W108-Modellen wurden 3.5l-V8-Besitzer verwöhnt:
... kosteten nichts extra. Aber etwas schwäbischer Geiz findet sich noch heute in einem UK-Sonderausstattungsprospekt: Armlehnen vorn waren zwar schon ebenfalls als kostenlose Option aufgeführt, wurden aber nachträglich “ausgegraut”. Wer hat hier in letzter Sekunde den Rotstift geschwungen? Beim 300 SEL 3.5 war es schon schwieriger, weitere lockende Extras hinzuzufügen, denn ein W109 besitzt bekanntlich schon ab Werk eine erweiterte Ausstattung. Daimler-Benz entschloß sich ...
... für den Markt in England ohne Zusatzkosten anzubieten. Es gab aber noch eine Besonderheit: Der Prospekt nennt als Gratisoption ein “Engine compartment light”, also eine Motorraumbeleuchtung! Die W108-Modelle der Typen 280S und SE erhielten übrigens gar keine aufpreisfreien Ausstattungs-Ergänzungen gegenüber den “kontinentalen” Fahrzeugen.
Modellpflege W108/109Schon nach nur zwei Jahren*2, bei siebenjähriger Bauzeit der Modellreihe, gab es eine umfassende Modellpflege innerhalb der angebotenen Palette. Die da und dort kritisierten 250er Motoren wurden durch neue Triebwerke ersetzt, das Drei-Liter-Aggregat entfiel und wurde durch einen modernen V8 mit obenliegender Nockenwelle und elektronischer Benzineinspritzung von Bosch ersetzt - allerdings erst zur IAA 1969, bis dahin mußten der neue 6.3 und ein "aufgemöbelter" 280er mit 300er-Typenkenzeichen das W109-Programm stellen. Der 250S blieb für S-Klassen-Einsteiger noch bis März 69 im Angebot. Neben diesen Modifikationen im Bereich Antrieb gab es auch äußerliche, optische Retuschen mit der groberen Kühlermaske, neuen Türgriffen, Außenspiegeln und Zierleisten; die Kühlermaske (eigentlich offiziell “Kühlerschutzgitter”) wurde übrigens in Richtung Mercedes 600 gestaltet. Im Innenraum waren die Veränderungen deutlicher, die Auswahl von Innenausstattungen ging merklich zurück, sie waren nun ein- statt zweifarbig; Weitere Modellpflegemaßnahmen, von denen es noch eine ganze Reihe geben sollte, fielen nicht immer auf einen genau definierten Zeitpunkt, so daß man heute eigentlich vorrangig von frühen oder späten Fahrzeugen spricht. Wichtige Neuerungen in der Folge waren die Einführung der kleinen V8-Modelle mit 3.5-Liter-Hubraum September 1969, die auch in den bis 71 gebauten Coupes und Cabrios zum Einsatz kamen. Der Motortyp M116 sollte nach Ansicht von Daimler-Benz (intern publiziert direkt nach der Messe) nicht in stahlgefederten Fahrzeugen zum Einsatz komen! Andere Ausstattungsänderungen ab der IAA betrafen z.B. den serienmäßigen Einbau einer Warnblinkanlage (gesetzlich vorgeschrieben für den 1. Januar 1970) und neue Sitzbezüge. Zuvor stand ein Wechsel auf die völlig neue Generation von Automatikgetrieben (Mai 1969) mit drei Planetenradsätzen statt vorher deren zwei an, für die aufgrund der Abmessungen der Getriebetunnel verändert werden mußte - ein Tausch neuerer Getriebe in ältere Fahrzeuge ist deshalb nicht möglich. Das Flachkühler-Gesicht bei den Coupes und Cabrios ab IAA 1969 blieb den Limousinen erspart. 1972 gab es zum allerletzten Male und für ca. ein halbes Jahr neue Lackierungen. Die tabellarische Übersicht zu den Modellpflege-Maßnahmen kann man über den auf der W108/109-Einstiegsseite genannten Link aufrufen.
Die KonkurrenzAutomobil Revue schrieb mal "luxuriöse Mittelklasse", von seiten Mercedes-Benz galten die neuen W108/109 aber als "gehobene Mittelklasse", und in diesen Gefilden sind die Modelle auch anzusiedeln. Inwiefern war die bis 1968 weitergebaute Heckflosse noch Konkurrenz? Gab es Kunden, die nicht loslassen wollten? Hier die Zahlen: Der Anteil der Heckflosse in der vergleichbaren Klasse lag 1965 bei 90%, 1966 bei 22%, 1967 bei 14% und ist 1968 mit 0.2% verschwindend. Nun die anderen: Borgward ist (leider) seit vier Jahren kein Konkurrent mehr, 1961 ging es in die Insolvenz. Doch Borgward wollte in die Klassen vordringen, in denen sich Mercedes tummelte. Das damals größte Modell P100, 4.70m lang, besaß einen Sechszylinder-Motor und Deutschlands erste in die Serie eingeführte Luftfederung bei PKW. Nach Borgwards Ende wurden die Produktionsanlagen nach Mexiko exportiert, um das Modell dort neu aufzulegen, noch bis 1967 dachte man in Mittelamerika an eine Fortsetzung. Doch konnte hier niemand wirklich optimistisch an eine Zukunft glauben. Borgward hätte sich in Deutschland zu einem bedeutenden Wettbewerber entwickeln können, doch eigentlich nur auf lange Sicht. Heute wird nämlich gern übersehen, daß die Bremer bereits seit 1952 mit dem Modell Hansa 2400 in der gehobenen Klasse vertreten waren, die aber aufgrund von technischen Mängeln (Bremsen und Getriebe) einen sehr mäßigen Ruf besaßen und am Markt überhaupt nicht Fuß fassen konnten. Während Mercedes Mitte der 50er über 20.000 Sechszylinder-Limousinen an den Mann brachte, lag die Zahl der Verkäufe bei den Hanseaten 1953 bei 670 Stück, in anderen Jahren davor und danach wurden kaum 100 abgesetzt. Auch der luftgefederte Nachfolger fand in seiner sehr kurzen Lebensphase 1960 860 neue Besitzer, ein Jahr später 1700. Die Stuttgarter dagegen waren mit 50.000 (in 1960, Heckflosse kam 1959) bzw. zwölf Monate darauf 60.000 Stück (1961) Lichtjahre entfernt auf der Sonnenseite der Verkaufszahlen. Ab 1965 stand auch Glas, obwohl zu diesem Zeitpunkt ohne Limousine in der gehobenen Klasse, unter Beobachtung. Den Stuttgartern fiel nämlich etwas unangenehm auf, daß viele Journalisten das Glas 2600 V8-Coupe als den heimlichen Star der IAA sahen, und nicht die W108/109. Dies vielleicht wegen des in Dingolfing vorhandenen, mittelgroßen V8-Motos, für den der Daimler noch ein paar Jahre brauchen wird; aber auch sonst bot der “Glaserati” Interessantes: DeDion-Hinterachse mit niveauregulierendem Bogematen sowie einem Karosserie-Design von Frua. In einem internen Messe-Review wurde dieses Fahrzeug genauer unter die Lupe genommen, die guten Leistungen und Vorteile in der textlichen Darstellung abgeschwächt und Nachteiliges betont. Obwohl unterschiedlichen Kategorien angehörend, stellten die Schwaben Vergleiche zwischen dem V8-Coupe und der eigenen 250SE-Limousine an. Hier erwartete man in Zukunft Wettbewerb, doch löste sich das “Problem” 1966 mit der Übernahme des finanziell schwächelnden Herstellers durch BMW. Der eigentliche Platzhirsch am Markt war Opel mit dem Kapitän, zunächst wie Mercedes in Heckflossen-Optik und auch danach noch mit sehr nordamerikanisch geprägten Modellen. Das Angebot gliederte sich ab 1964 in die Typen Kapitän, Admiral und Diplomat, daher stammt in der Fachliteratur das Kürzel "KAD". Die Hessen boten sogar einen V8, 4.6 Liter Hubraum und 190PS Leistung, dem Mercedes (außer in der Luxusklasse) direkt nichts entgegenzusetzen hatte. National überholte Mercedes die Hessen ab 1962/63 in den Verkaufszahlen, und diesen Wechsel in der Führung galt es ab sofort zu verteidigen. Man schaffte es, die W108/109 waren erfolgreich, von den KAD Typ A (bis 1969) setzte Opel noch insgesamt 90.000 Stück ab, doch bei Mercedes ging es in den vergleichbaren Baureihen bereits in die Hunderttausende. Gegner soll man aber nicht unterschätzen: 1969 kamen die KAD Typ B auf den Markt mit einem Spitzenmodell, welches 5,4 Liter Hubraum besaß, 230 PS auf die DeDion-Hinterachse wuchtete und vier sogar innenbelüftete Scheibenbremsen bot. Auto, Motor und Sport sah im Test 1970 unter dem Strich leichte Vorteile für den 300SEL 3.5, doch war der Diplomat V8 definitiv kein schlechtes Angebot, und auf dem deutschen Markt über 8.000 DM billiger. Man sollte sich mal vergegenwärtigen, was das heißt: Für diesen Betrag gab es damals ein Käfer Cabrio, einen Karmann Ghia oder einen Renault 16! Sechszylinder hatten bei Opel elektronische Einspritzung und hydraulischen Ventilspielausgleich. Die Kunden zogen aber weiterhin verstärkt schwäbische Modelle vor, die Rüsselsheimer ließen US-amerikanischen Einflüssen im Blechkleid zu sehr den Vorrang, was die Vorstellungen des Publikums wohl weniger traf. Der Marktanteil der KAD B in 1969 betrug acht Prozent, ein Jahr später noch sechs. Die Rüsselsheimer hatten ihre ehemals führende Stellung durch die eigene Modellpolitik verloren. BMW nahm man mangels Oberklasse-Modell erst 68/69 wieder als Konkurrent wahr mit den leistungsfähigen, schnellen und auf den Fahrer ausgerichteten Modellen 2500 und 2800. Sie verfügten über Schräglenkerhinterachse, vier Scheibenbremsen und Motorleistungen von 150-170 PS, mit der man die 200 km/h knackte. Wir wissen heute: BMW wird sich etablieren und Ende der 80er sogar zum ersten Male Mercedes in der Zulassungsstatistik überholen, doch war der Erfolg 1969 auch schon enorm: Marktanteil nach nur einem Jahr 32 Prozent! Es gab also genug Kunden in Deutschland, die keine schwäbischen Mobile fahren wollten und in der Opel-Produktpalette nicht fündig wurden. BMW bot einen anderen Stil, die Fahrzeuge hatten gegenüber den schwäbischen Erzeugnissen einen völlig anderen Charakter, der ankam. Die Bayern setzten auf Sportlichkeit für den aktiven Fahrer; etwas anders sah sich Mercedes: Wie sonst war es zu erklären, daß man einen Drehzahlmesser ab Werk gar nicht bestellen konnte? Auf welche Weise definierte denn Mercedes-Benz Sportlichkeit? Das Geheimnis lüftet ein Prospekt von 1971: "Zügiges, beherrschtes Fahren und kompromißlose Fairneß. Alles andere ist unserer Ansicht nach unvernünftig und - genau betrachtet - unmännlich." Deutschlands Motorchronist Nr. 1 Werner Oswald sah die ab 1968 angebotene Typenreihe E3 allerdings nicht auf S-Klasse-Niveau, und mit dem Erscheinen der W116 1972 vergrößerte sich der Abstand nochmals, den auch der erste “echte” 7er BMW der Typenreihe E23 nicht verringern konnte - noch. Ab 1968 trat Volvo in den Markt ein, das einzige Modell hieß 164 und bekam aus Göteborg einen in der Erstfassung etwas lethargischen 130 PS Sechszylinder mit auf die Straße. Der Reihenmotor war zwar eine Neukonstruktion, besaß aber trotzdem eine untenliegende Nockenwelle. Der Vergaservariante spendierte man einen nicht ganz zu Ende gedachten Ansaugtrakt, die spätere Einspritzversion mit 160 PS konnte dies besser. Fahrwerkstechnisch glänzte man hinten mit einer Starrachse, während alle anderen Hersteller praktisch ausnahmslos in diesem Marktsegment die Einzelradaufhängung einführten. Die Schweden werden sich in dieser Klasse nicht wirklich festsetzen, obwohl der 164 zum 280S unter dem Strich durchaus als konkurrenzfähig zu werten war. Die Karosse gibt sich angemessen repräsentativ, verfügte - wie man es von einer echten Limousine erwartet - über drei Seitenfenster und kann trotz skandinavischer Eckigkeit als harmonisch gelten. Vergleichbare europäische Konkurrenz gab es eigentlich nur von Jaguar. Im Programm standen der Mark IX, X, Mk. 2, 240, 340 und die 420, allesamt in inseltypischen, barocken Formen, die sonst keiner anderen Konvention oder Mode gehorchen wollten. Waren sie wirklich vergleichbar? Der Gesamtausstoß der Produktion aus Coventry betrug 1966 20.000 Stück, Mercedes schaffte (über alle Modelle und im gleichen Jahr) den zehnfachen Wert. In einer Jaguar-Werbeanzeige von 1970 heißt es zum XJ 6 gar "Europas meist begehrter Wagen". Der Blick auf die Produktionszahlen zeigt folgendes Bild: Jaguar (alle Modelle, auch der E-Type) ca. 25.000, Mercedes-Benz (nur W108/109) ca. 61.000. Sie blieben also doch eher im Hintergrund - vielleicht nicht minder durch die Tatsache bedingt, daß der Abstieg der britischen Automobilindustrie voranschritt und die Kunden jährlich weniger Vertrauen in die Produkte hatten. Ende der 70er verballhornte man British Leyland, den Zusammenschluß vieler ehemals eigenständiger Marken, dem Jaguar ab 1966 angehörte, nur noch zu "British Elend". Jaguar wird auch in folgenden Jahrzehnten in Deutschland nur wenige hundert Stück jährlich an den Mann bringen. Für einen Vergleich mit dem W108 kam relativ spät, 1969, auch noch der Fiat 130 neu hinzu. Die Italiener wollten in andere Märkte eintreten, aber dem Kleinwagenhersteller wollte man Erfolg bei dieser Größenordnung offensichtlich nicht zugestehen, 1977 schlief die Produktion nach nur 15.000 Stück wieder ein - das Modell blieb ohne Nachfolger. Wer daraus aber schließen wollte, daß der Fiat 130 auch technisch kaum etwas zu bieten gehabt hätte, irrt. Als Antrieb kam ein neu gerechneter V6 unter die Motorhaube, der allerdings nicht, wie vielfach behauptet, aus dem Ferrari Dino stammt. Denn im Fiat besaß der Motor je Zylinderreihe eine obenliegende Nockenwelle, zahnriemengetrieben, bei klassischem 60° Zylinderwinkel. Der Dino-Motor dagegen besitzt 65°-Zylinderwinkel, um innen mehr Platz für die Weber-Doppelvergaser zu schaffen und vier obenliegende Nockenwellen, per Steuerkette angetrieben. Das herausragendste Merkmal war aber die komplett neue, aufwendige Hinterachse. Fiat-Ingenieure hatten nämlich bereits zeitlich vor MacPherson eine Federbein-Achse erfunden, beim Fiat 130 verbaute man eine Variation davon: Die hinteren Federbeine wurden zusätzlich per Schräglenker abgestützt, wobei die Antriebswellen (ohne Verschiebestücke für Längenausgleich) als Querlenker fungierten. Daraus resultierte eine hervorragend präzise Radführung mit der einzigen Einschränkung, daß im Vergleich zu Konkurrenz-Limousinen von Mercedes, Jaguar und Opel weniger Federweg zur Verfügung stand. Deshalb mußte das Fahrzeug etwas härter gefedert werden, was natürlich dem Komfort-Eindruck abträglich ist. Auf eines soll noch hingewiesen sein: Fiat kopierte das Dach des W108. *4
Beim “Überbau” hat Fiat an den W108 ge-”Dacht”t. Zum Schluß noch ein Exot aus Italien, der Lancia Flaminia Berlina. Als Straßenfassung des 1955 vorgestellten, wegweisenden Pininfarina-Prototypen Flaminia Florida entwickelt, besaß er eine DeDion-Hinterachse mit Panhard-Stab, Transaxle-Bauweise (Getriebe mit Differential verblockt), schon ab 1960 vier Scheibenbremsen rundum, viel Platz, italienische Eleganz und einen sehr kompakt bauenden V6, der nach AMS-Test äußerst laufruhig lief. Die Bremsen hinten waren am Differential angeordnet, um die bewegten Massen beim Ein- und Ausfedern gering zu halten. Die Ausstellfenster in den C-Säulen konnte man durch eine pneumatische Einrichtung vom Fahrersitz aus fernbedienen, außerdem besaß das Auto vier Heckscheibenwischer, davon zwei für die Innenseite! Dies klingt zunächst wie ein Gag, doch es war Pininfarina tatsächlich ernst damit und findet sich deshalb auch als eines der Elemente am Sicherheitsfahrzeug PF Sigma. Lancia galt immer als Marke, die zunächst innovative Lösungen suchte, realisierte und danach erst den Preis des Produktes bestimmte. Der Flaminia als Limousine (benannt nach einer berühmten römischen Straße) blieb ein völliger Exot, vom Markt praktisch nicht wahrgenommen, und nur in homöopathischen Dosen bis 1969 verkauft - aber mit, für Lancia typisch, interessanter Technik. Zum Schluß dieses Abschnittes noch ein paar Preise, die zeigen sollen, wie und wo die Hersteller ihre Fahrzeuge positionierten (aus AR 1970, Angaben in Schweizer Franken ohne Umrechnung in DM oder Euro - das, was deutlich werden soll, wird es auch auf diese Art): |
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Gestern ...Mercedes war mit Ponton- und Heckflossenmodellen erfolgreich, gleiches erwartete man von den W108/109. Wie schwierig es machmal ist, eine Success-Story fortzuschreiben, sieht man bei Citroen (Wechsel von DS auf CX 1975) und auch bei Volkswagen - ein vergleichbarer Nachfolger für den Käfer wurde hier erst nach mehreren Anläufen gefunden. Mit 383.000 verkauften Exemplaren der Reihe W108/109 aber baute Mercedes den Marktanteil aus, und selbst Die Bewertung des W108/109 ist nicht ganz einheitlich. Die einen schauen auf das Blech und sprechen von schönster Klassik, die Mercedes bei den großen Limousinen je hervorgebracht hat, die anderen schauen unter das Blech und sprechen von bekannter Technik, die neu verpackt wurde. An erster Stelle steht bei letzterem Thema meist der Hinweis auf die Eingelenk-Pendelachse, die Mercedes 1954 einführte. War sie 1965 schon uralt? Z Selbstverständlich hatten die Mitbewerber Technik zu bieten, über die ein W108/109 nicht verfügte: Bereits die Heckflossen-Kapitäne von Opel besaßen Bremsnickabstützung an der Vorderachse, die Sechszylinder von 1964 gab es mit automatischem Ventilspielausgleich, einige Jahre später in der B-Serie auf Wunsch sogar mit elektronischer Einspritzung. Doch gerade im Einsatz der Benzineinspritzung war Mercedes immer schon führend. Noch in den frühen 60ern hatte man als einziger Hersteller Ein anderes Beispiel sind die Automatik-Getriebe. Mercedes-Benz ist einer der ganz wenigen Hersteller, die solche in Eigenregie produzieren. Man entschied sich zunächst gegen eine Wandler-Dreigang-Automatik und baute eines mit vier Gängen sowie hydraulischer Kupplung, die zwar manchmal etwas ruppig arbeitete ("Ruckomatic"), aber mit der die Verluste begrenzt blieben. Die Motoren europäischen Dann das Thema Sicherheit - frühe Standards bei Mercedes sind der gestaltfeste Innenraum zum Schutz der Insassen, die Knautschzonen mit definierter, progressiver Aufnahme der Energie (patentiert ab 1951, in Serie mit den Heckflossenmodellen ab 1959), der entschärfte Innenraum mit Pralltopf im Lenkrad verbunden mit der Sicherheitslenksäule (beides 1967) und verkleidetem Armaturenbrett zur Verringerung des Verletzungsrisikos nach Unfallen. Ab 1966 stand der Dreipunkt-Statikgurt in der Zubehörliste, zwei Jahre später kamen Sicherheitskopfstützen, welche die zwar hübschen, aber wenig brauchbaren Nackenrollen ablösten. Noch im Jahr der Präsentation der W108/109 (1965) stellte der “Urvater der passiven Sicherheit” Bela Barenyi in einem Vortrag an der Universität Karlsruhe fest, daß kein einziger Fahrzeughersteller diesen Weg bisher mitgegangen wäre.*1 Treten wir einen Schritt zurück und schauen uns allgemeine Einschätzungen zur Fahrzeugtechnik aus Sicht der Automobil-Revue an. 1961 hieß es dort: "Mit der Stagnation der Wachstumsperiode unvernünftig großer Motorleistungen und Wagenabmessungen hat sich endlich wieder ein Gleichgewicht eingestellt. Damit werden die Konstrukteure wieder in der Lage sein, Zweckmäßigkeit zum obersten Gebot zu machen und ihr ganzes Wissen und Können auf Sicherheit und Zuverlässigkeit der Automobile von morgen zu konzentrieren." Zur Bewertung des Automobilmarktes 1967 schrieb man: "Der feudale Luxuswagen mit großvolumigem Motor hat in den vergangenen Jahren deutlich an Boden verloren. Geblieben sind jedoch die Anforderungen an hohe Motorleistung und gutes Fahrverhalten, ausgeprägtem Komfort und geräumigen Innenraum, weshalb das mittelgroße Automobil, welches nach wie vor im Mittelpunkt des Interesses steht, sich zusehends stärker dem Luxuswagen von einst anlehnt." Diesen Entwicklungen der 60er entsprachen die W108/109 mit ihren Eigenschaften recht genau, und dieses blieb auch so bis zum Ende der Dekade. Trotz allem konnte man bei den Volumenmodellen bis zum Schluß steigende Marktanteile verbuchen (280SE in seiner Klasse: 1969 51%, 1970 54%), doch war in den ausgehenden 60ern klar, daß Mercedes ein völlig neues Modell für dieses Marktsegment entwickeln mußte, was mit dem W116 dann auch passierte. Die erste als solche benannte S-Klasse trat im September 1972 an und wird danach eine übermächtige Stellung am Markt erringen.
... und heuteDie in den obigen Abschnitten gesammelten, sachlichen Aspekte sind für einen heutigen Oldie-Fahrer natürlich weniger von Bedeutung; sie kommen aber dann zum Tragen, wenn man versucht, die Modellreihe W108/109 in die Geschichte des Automobilbaus einzuordnen. Wer darüber hinaus noch mit aller Kraft graben wollte, um die strahlendsten Merkmale ans Tageslicht zu befördern, der wird darauf hinweisen, daß diese Fahrzeuge neben der damals wegweisenden passiven Sicherheit als letzte Mercedes noch über die Eingelenk-Pendelachse*3 verfügten, die für mehr Rennsiege als nur etwa den bei der Rallye Monte-Carlo gut war. Die Motoren besaßen eine mechanische Einspritzung, welche ihre Wurzeln in den legendären Daimler-Benz Flugmotoren hat. Es sind Fahrzeuge mit einem Blechkleid, dessen Ausgestaltung in seinen wesentlichen Zügen dem Franzosen Paul Bracq zugeschrieben wird, und die mit zu denen gehören, welche Janis Joplin besang (Okt. 1970).*5 Aber welchen Reiz üben die Autos heute aus, wie wirkt ein W108/109 auf seinen Besitzer? Die Motor-Klassik hatte es 1997 einmal geschafft, viele der prägnanten Charaktereigenschaften in nur wenige Sätze zu fassen: "Eine ‚Alte S-Klasse' erzieht zur inneren Ruhe. [...] Sie veredelt selbst die tägliche Rush-Hour mit ihrer S-Klasse-Aura. [...] (Und) wenn der Sechszylinder [...] von gestern erzählt, entwickelt er im Idealfall therapeutische Qualitäten. Man muß der alten S-Klasse nur gut zuhören."
___________________ *1 Weitere Quellen: “Das US-amerikanische Bundesamt für Verkehrssicherheit fordert von den Konstrukteuren der von ihm in Auftrag gegebenen Studie für das US-Sicherheitsauto, daß die Prototypen auf den von Mercedes-Benz bereits ab 1951 erarbeiteten Grundidee einer Sicherheitszelle aufgebaut werden. [...] Untersuchungen unabhängiger Forschungsinstitute erbrachten das traurige Ergebnis, daß bis zum heutigen Tage, also fast zwanzig Jahre nach Erarbeitung der Grundlagen für eine optimale Sicherheitszelle durch Mercedes-Benz noch nicht einmal zehn Prozent aller Modelle des Weltautobaus auf diesem Hauptfundament der inneren Sicherheit aufbauen”. (Die Industrie, Juni 1970).
*2 Die Präsentation erfolgte aber nicht auf der IAA September 1967, sondern in der Sindelfinger Stadthalle im Januar 1968 - zusammen mit der neuen Mittelklasse, auf der Messe zeigte man noch die Heckflossenmodelle! Daimler-Benz schrieb dazu in den “Informationen für Kunden und Freunde des Hauses”:
*3 Das Institut für Kraftfahrwesen der RWTH Aachen (IKA) läßt Studenten auch bei praktischen Fahrtests ausführlich Erfahrung sammeln, wobei S-Modelle von Mercedes-Benz zum Einsatz kommen. Zeitlich beginnend mit der Heckflosse und endend mit dem W220 haben angehende Ingenieure die Möglichkeit, der Fahrwerksentwicklungsgeschichte direkt zu begegnen. Im Jahre 2003 wurden Zahlen des Elchtests-Slaloms veröffentlicht, und man notierte bezüglich der maximal erreichbaren Geschwindigkeiten folgende Ergebnisse: Heckflosse (Eingelenk-Pendelachse) 56.9 km/h, W108 (mit neu abgestimmtem Fahrwerk) 60.4 km/h, W116 (Schräglenker-Achse) 61.5 km/h, W126 (Koppelachse auf Basis der Schräglenker-Achse) 63.6 km/h, W140 63.5 km/h, W220 66.3 km/h.
*4 Und der Instrumententräger im Armaturenbrett findet sich im Audi 80 B1 wieder, mit praktisch gleicher Anordnung der Uhren und Kontroll-Leuchten.
*5 Tatsächlich handelt es um eines Ihrer allerletzten Recordings, zusammen mit einem Geburtstagsgruß an John Lennon, der bekanntlich einen weißen 600 fuhr. Manch einer könnte auf die Idee kommen, daß mit Auslaufen der W108/109 auch gleich eine Epoche des Automobilbaus bei den Stuttgartern abgeschlossen wurde. Und mit einem Verweis auf die Modelle ab 1971ff. (R107, W116, etc.) würde man mit einer solchen Ansicht sicherlich viel Zustimmung erhalten ...
*6 Der Schreiber der Sterntwiete ist übrigens in der 42. Kalenderwoche 1967 geboren.
*7 So sieht der moderne Nachfolger der genannten Tissot aus. James Bond müßte in dieser Zeit noch Rolex (später bekanntlich Omega Seamaster) getragen haben. John Steed vertraute bei der Zeitanzeige auf Certina und regelte damit alles gerade noch rechtzeitig. Egon Olsen als Scheff der gleichnamigen Bande begnügte sich allerdings mit einer Alpina-Uhr. Ob dies jedoch der Grund war, warum seine Pläne nie klappten, ist nicht überliefert.
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